Die Zunft der Dharoi'Sola

Vom ersten Auftauchen der Dharoi'Sola wird um das Jahr 304 des Menschenzeitalters berichtet. Die Entstehung besagter Zunft fußt alten Überlieferungen zufolge auf dem Flehen Gwylains und ihres Bruders Andoleath, denen es ein Gräuel gewesen war, dass die Menschen in stetig wachsender Zahl den Scáth zum Opfer fielen. Schließlich ließ die hochgepriesene Sonne Gnade walten und wählte aus unseren Reihen diejenigen reinsten Herzens aus. Gerüstet mit einem Funken ihrer Macht war besagte Gruppierung fortan in der Lage, sich den Scáth in den Weg zu stellen. Daraus folgte rund 60 Jahre später die Ausrottung der Bestien. Dies ungeachtet wandeln die Dharoi'Sola noch heute unter uns, um sich der Rechtschaffenheit zu verpflichten.

 

Zu einem Dharoi'Sola zu werden - diese sind im Volksmund auch als ›Lichtzauberer‹, seltener als ›Sonnenfunken‹ bekannt - ist keine freiwillige Angelegenheit. Die Sonne selbst entscheidet, wer in den Stand eines mit ihrer Macht Gesegneten erhoben wird. Zur Stunde der Geburt des Auserwählten sendet sie einen schlafenden Funken auf das Weltenrund herab, der sich mit seinem Herzen verbindet. In der Regel erwacht der Funke, wenn der junge Dharoi'Sola das 14. bis 15. Lebensjahr vollendet hat. Erst dann wird ihm offenbart, was er ist. Fortan geht er bei der Sonne in die Lehre. Gleiches geschieht mittels in der Nacht in Erscheinung tretender Visionen, in deren Verlauf ihm der Umgang mit seinen Kräften und das Wissen über die Geschichte seiner Zunft vermittelt wird. Ist der Dharoi'Sola fertig ausgebildet und hat von der Sonne Abschied genommen, obliegt ihm selbst die Entscheidung, was er in Zukunft mit seinem Leben anfangen will. Da es heutzutage keine Scáth mehr zu jagen gibt, sind die Dharoi'Sola weltweit nur mehr von geringer Zahl. Sie stellen sich oftmals in die Dienste des Königs ihrer Geburtsstadt. Ebenso ist von freischaffenden Lichtzauberern die Rede, deren Streben es ist, überall und jedermann im Land helfend zur Seite zu stehen.

 

Zeit seines Lebens hegt der Dharoi'Sola eine enge Verbindung zu den Sonnenkindern Gwylain und Andoleath - uns auch als Leben und Tod bekannt. Beide erscheinen den Angehörigen dieser Zunft in Visionen. Berichten zufolge schlüpfen sie hierbei in eine eigens für den betreffenden Lichtzauberer auserkorene Tierform, die in Gwylains Fall weiß, beim Erscheinen von Andoleath schwarz daherkommt. Erstere versorgt den Dharoi'Sola mit für ihn wichtigen Informationen. Letzterer hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Lichtzauberer aufzusuchen, sobald eine ihm nahestehende Person im Begriff ist, zu sterben. Dies deshalb, da der Dharoi'Sola ungewöhnlich langsam altert und dadurch eine Lebenserwartung von gut 120 bis 150 Jahren vorweist. Daraus folgt, dass er seine Freunde und Familienmitglieder in der Regel um mehrere Dekaden überlebt und Andoleath ihm durch sein Einschreiten den rechtzeitigen Abschied ermöglichen will. In Fällen, in denen das Ableben eines dieser Menschen durch gewaltsame Einwirkung oder einen Unfall zu abrupt geschehen ist, um noch zu dessen Lebzeiten eine letzte Zusammenkunft mit dem ihm verbundenen Dharoi'Sola herbeizuführen, bringt Andoleath den Lichtzauberer noch einmal mit der betroffenen Seele zusammen, ehe er diese an den Himmel führt.

 

Eine weitere starke Bindung besteht darüber hinaus zwischen den Dharoi'Sola selbst. Durch ihre Funken sind sie in der Lage, einander zu spüren. So weiß jeder Lichtzauberer, wie viele seiner Zunft derzeit auf dem Weltenrund wandeln, wann ein neues Mitglied hinzustößt und wann ein altes Mitglied zu den Sternen geht.

 

In der Ausübung seiner Fähigkeiten geht der Dharoi'Sola im Übrigen genauso vor wie der Dharoi'Chairas, indem er seine Zauber mittels Gesten und einem deutlich auf sein Ziel ausgerichteten Willen wirkt. Mit dem feinen Unterschied hingegen, dass die Kräfte des Dharoi'Sola ausschließlich für den Kampf ausgelegt sind. Weitere Facetten der Zaubereibefähigung sucht man bei ihm vergeblich, und auch seine durch den Funken gesteuerten Heilkräfte beschränken sich allein auf den eigenen Körper.

 

Zweifelsfrei zu erkennen ist der Dharoi'Sola an dem seine rechte Handfläche einnehmenden Symbol, welches in Gestalt eines von der aufgehenden Sonne behüteten Funkens bis zum Handrücken durchdringt. Im Ruhezustand leuchtet das Symbol schwach in einem angenehmen Goldton. Wirkt der Dharoi'Sola seine Zauber, variiert die Farbe von grellem Hellgold bis zu loderndem Rotgold. Gleichermaßen variabel ist die Intensität der daran gebundenen Leuchtkraft.

 

 

Rhona Camlínne

 Die zwei Formen der Zauberei - Eine Gegenüberstellung